Der Fanclub Burgenland Energieunabhängig: Wenn Marketing auf Mathematik trifft

Während in anderen Bundesländern und bei überregionalen Anbietern Strompreise leicht zurückgehen, muss man im Burgenland einem Fanclub beitreten, um überhaupt in die Nähe günstiger Strompreise zu kommen. Für einen Mitgliedsbeitrag von 4,80 € pro Monat (inkl. Steuern) kann man Fan werden und erhält das Privileg von Strom um 12 Cent/kWh (inkl. Steuern). Doch warum dieser Strompreis eigentlich kein Privileg ist und wie sich mit diesem Konstrukt der Stromkonzern fixe Einnahmen sichern kann, darum geht es in diesem Beitrag. Gegen Ende des Beitrages gibt es für Interessierte in einer Infobox noch einen kurzen Exkurs in die Grundlagen der Energiewirtschaft, der vielleicht den Blick nochmals erweitern kann.

Der „Fanclub Burgenland Energieunabhängig“ wird in diesem Beitrag aus Gründen der Lesbarkeit des Öfteren mit FCBE abgekürzt, die Burgenland Energie wird gelegentlich mit BE abgekürzt.

Das Grundkonzept des FCBE

Formal ist der FCBE eine große und überregionale Energiegemeinschaft (also eine BEG). Die Burgenland Energie verpachtet der Gemeinschaft Wind- und PV-Parks. Sofern diese Strom liefern (also wenn der Wind weht oder die Sonne scheint), bekommen die Fanclub-Mitglieder den Strom um 12 Cent/kWh. Der Deckungsgrad wird derzeit lauf FCBE mit 69% angegeben und ist eine Kennzahl dafür, wie viel Strom des Gesamtverbrauchs aus dem FCBE bezogen wurde. Dieser Wert ist jedoch stark abhängig von Sonne und Wind. Um Mitglied zu werden, muss man den bereits erwähnten Mitgliedsbeitrag von 4,80 € pro Monat, also 57,60 € pro Jahr, bezahlen.

Die Mathematik der Fixkosten

Die 12 Cent pro Kilowattstunde als Arbeitspreis hören sich zu Beginn ganz nett an, allerdings darf man dabei den Mitgliedsbeitrag nicht aus den Augen verlieren. Zusätzlich muss man im Hinterkopf behalten, dass man für den Reststromtarif auch noch Grundgebühr zahlen muss. Diese bewegt sich meist auch im Bereich zwischen 55 € und 75 €. Die Fixkosten, ohne dass überhaupt Strom geflossen ist, verdoppeln sich also in etwa. Dies bedeutet natürlich, dass es gerade bei Haushalten mit geringem Bezug überhaupt nicht wirtschaftlich ist – aber dazu später mehr. Betrachtet man den Fanclub-Strom in Verbindung mit den Grundgebühren, kostet die Kilowattstunde bei einem Bezug von 1000 kWh aus der Gemeinschaft fast 18 Cent. Bei einem Bezug von 2000 kWh aus der Gemeinschaft ist man immerhin schon etwas unter 15 Cent/kWh, was aber immer noch ein Preis ist, den man momentan bei anderen Stromtarifen auf ein Jahr fix bekommt, und zwar für den ganzen Strombezug, nicht nur für den Fanclub-Strom. Fairerweise muss man sagen, dass auf der Website des FCBE hier darauf hingewiesen wird, dass es sich erst ab einem gesamten Jahresverbrauch von 2800 kWh auszahlt, wobei „auszahlen“ hier großzügig formuliert ist, denn die 2800 kWh Bezug aus dem Netz (nicht aus der Gemeinschaft) scheinen angesichts des Deckungsgrades ziemlich genau der Break-Even-Point zu sein, darunter zahlt man ohnehin drauf. Es sei denn, man ist derzeit unglücklicherweise bei der Burgenland Energie Kunde – aber auch dazu später mehr. Tatsächlich merkbar ins Plus kommt man also erst bei weitaus höheren jährlichen Verbräuchen. Damit sich der effektive Preis (inkl. Mitgliedsbeitrag) tatsächlich den beworbenen 12 Cent nähert, müsste man rein aus der Gemeinschaft mehr als 5800 kWh pro Jahr beziehen, was angesichts des angegebenen Deckungsgrades von 69 % einem Gesamtverbrauch von etwa 8500 kWh pro Jahr entsprechen würde.

Der Marktvergleich: Warum „normale“ Tarife den Fanclub oft schlagen

Da Bilder und vor allem Grafiken mehr als tausend Worte oder Zahlen sagen, sehen wir uns nun einige Stromtarife (allesamt aus dem Tarifkalkulator der E-Control und im Burgenland verfügbar) an. Datenstand ist der 16.02.2026. Es sei hier erwähnt, dass viele dieser Tarife Neukundenrabatte für das erste Jahr beinhalten (siehe Legende). Da eine sehr gute Methode Stromkosten zu sparen nach wie vor der regelmäßige Anbieterwechsel ist, wurden diese Rabatte hier mit einbezogen. In nachfolgender Grafik stellen strichlierte Linien in derselben Farbe jeweils denselben Tarif wie bei der durchgezogenen Linie dar, aber mit FCBE-Mitgliedschaft. Die Punkte auf den durchgezogenen Linien stellen für den jeweiligen Tarif den Break-Even-Point dar, das heißt, für Jahresverbräuche unter diesem Punkt wird der Tarif mit zusätzlicher FCBE-Mitgliedschaft teurer, darüber wird er billiger. Bei Linien ohne einen Punkt ist man mit dem FCBE innerhalb dieses Bereichs bis 10.000 kWh (oder ganz generell immer) teurer. Der Deckungsgrad, also der Bezug aus dem Fanclub, wurde mit gemittelten 69 % angenommen (laut Website des FCBE). Die Vergleichstarife wurden willkürlich gewählt, es gibt viele weitere die im Tarifkalkulator der E-Control unter dem Tarif der Burgenland Energie zu liegen kommen. Es wurde hier bewusst das Szenario gewählt, dass man Bestandskunde bei der Burgenland Energie ist, da diese im Burgenland der dominierende Stromanbieter ist. Natürlich gibt es von Seiten der BE auch Neukundenrabatte im ersten Vertragsjahr.

Die deutlichste Aussage dieser Grafik ist, dass die Burgenland Energie als Stromanbieter für Bestandskunden derzeit auf der sehr teuren Seite der Marktlandschaft liegt, selbst der FCBE hilft da nicht mehr viel weiter. Mit dem Tarif Burgenland Energie Optima12 Unabhängig+ 4.0 (sehr unkomplizierter Name) und zusätzlich bereits einer Mitgliedschaft im FCBE steigt man erst über einem Verbrauch von etwa 5500 kWh/Jahr günstiger aus als bei allen anderen Anbietern hier im Vergleich. Der Break-Even-Point, also der Punkt, ab dem sich der FCBE bei diesem Tarif auszahlt, liegt angesichts der sehr hohen Arbeitskosten schon bei etwa 1500 kWh, darunter verteuert man sich mit dem FCBE den ohnehin teuren Tarif noch zusätzlich. Aber auch oberhalb dieser 1500 kWh kann man diese Kombi nicht empfehlen. Im Vergleich dazu beispielsweise der Tarif V-Strom ÖSTERREICH vom Verbund (noch ohne Berücksichtigung des Neukundenrabatts) oder der Tarif KELAG Strom Klassik, welche bis zu einem Jahresverbrauch von 5500 kWh günstiger sind als die Kombi BE und FCBE. Verbraucht man mehr als 2800 kWh pro Jahr, kann man sich den Verbund-Tarif (ohne Rabatte) oder gleichermaßen auch den KELAG-Tarif mit dem FCBE sogar verbessern, tatsächlich bemerken wird man das finanziell allerdings erst bei einem deutlich höheren Verbrauch – hier gilt es abzuwägen, ob die Fanclub-Bürokratie und der zusätzliche Verlust an Übersichtlichkeit das wert sind. Als eine der sehr günstigen Optionen mit berücksichtigten Neukundenrabatten gibt es derzeit vom Verbund den bereits erwähnten Tarif V-Strom ÖSTERREICH oder auch den „Grünwelt Energie grünstrom classic“. Bei diesen Tarifen würde man sich den Preis im ersten Jahr mit dem FCBE sogar anheben, nicht nur aufgrund des Mitgliedsbeitrages, sondern auch weil der Arbeitspreis tatsächlich beim FCBE höher ist.

Der FCBE in Kombination mit einem sehr teuren Tarif bringt also bis zu sehr hohen Stromverbräuchen nichts. Bei derzeit preislich niedriger angesiedelten Stromtarifen gilt es genau abzuwägen, ob man sich den Preis mit der Mitgliedschaft im FCBE verschlechtert oder verbessert (Break-Even-Point). Wer auf der Suche nach Neukundenrabatten ist und ohne Bedenken Anbieter wechselt (die Bürokratie übernimmt heute so gut wie immer der neue Anbieter) kann auch ohne den Fanclub gleich günstige oder sogar günstigere Preise erhalten.

Das Geschäftsmodell für die Burgenland Energie

Wo könnte nun die Burgenland Energie profitieren? Laut Website des FCBE werden zwei Großerzeugungsanlagen der Burgenland Energie an den FCBE verpachtet, die Verträge zwischen dem FCBE und der Burgenland Energie sind den Mitgliedern nicht bekannt. Nun gibt es, wie in der Infobox zur Strombörse weiter unten genauer erklärt, auch Zeiten mit sehr niedrigen oder gar negativen Strompreisen. In diesen Phasen ist Wind- und Sonnenstrom am freien Markt kaum profitabel oder sogar ein Verlustgeschäft. Durch die an den FCBE verpachteten Erzeugungsanlagen dürfte sich die Burgenland Energie konstante Einnahmen sichern, die Höhe dieser ist in nicht einsehbaren Verträgen festgelegt. Das ist ein deutliches Transparenzproblem. Dieser garantierte Absatzkanal, unabhängig von der Produktionsmenge der verpachteten Anlagen und entkoppelt von den volatilen Börsenstrompreisen, könnte als Risikoauslagerung seitens der Burgenland Energie auf die Fanclub-Mitglieder interpretiert werden. Die Mitglieder des FCBE zahlen diese Pachtkosten natürlich einerseits entweder über den fixen FCBE-Strompreis oder andererseits über den Mitgliedsbeitrag.

Regionale Energiegemeinschaften, aber wie?

Ein weiterer Punkt auf der FCBE-Website sind die 19 regionalen Energiegemeinschaften. Damit soll man Netzkosten (konkret reduzieren sich die Arbeitspreise für das Netznutzungsentgelt abhängig von der Netzebene) und Abgaben sparen können. Der FCBE an sich ist eine BEG, die über das ganze Burgenland hinweg über mehrere Netzebenen agieren darf, deshalb erspart man sich keine Netzkosten. Die regionalen Energiegemeinschaften sind dann am Papier jeweils höchstwahrscheinlich eine eigene „regionale EEG“, welche ihren Wirkungsbereich laut Gesetz für alle Verbraucher des Mittelspannungsnetzes eines Umspannwerkes haben. Der Strom der regionalen EEG muss also physikalisch aus demselben Mittelspannungsnetz eines Umspannwerkes kommen, und nur für diesen Teil des Stromes zahlt man weniger Netzkosten und Abgaben. Wie bereits erwähnt, pachtet der FCBE derzeit zwei Großerzeugungsanlagen, nun hängt jedoch jede dieser Anlagen an nur einem Umspannwerk und somit vermutlich in nur einer regionalen EEG, welche dann überversorgt wäre. In den anderen regionalen EEGs würde vermutlich ein sehr niedriger Deckungsgrad herrschen, den Rest bezieht man dann doch wieder aus der überregionalen BEG, ohne Ersparnis bei den Netzkosten und Abgaben. Haben die regionalen EEGs in unmittelbarer Nähe zu den Großerzeugungsanlagen dann Vorteile? In dieser Hinsicht ist meiner Meinung nach noch starker Klärungsbedarf. Diese Ersparnisse müssten transparent aufgeschlüsselt werden. Für echte Preisvergleiche mit anderen Stromtarifen sowie auch für die Mitglieder könnte diese Staffelung eine sehr unübersichtliche Angelegenheit werden.

Die anfängliche Idee der „ewigen Kundenbindung“

Bis Dezember 2025 galt noch die Regelung, dass der FCBE-Mitgliedsbeitrag für Nicht-Kunden der Burgenland Energie gleich doppelt so hoch war. Dies war vermutlich für die Kundenbindung ein Traum und man verdiente auf mehreren Ebenen des Modells, einmal an der Gemeinschaft und ein zweites Mal am tatsächlichen Burgenland Energie Kunden. Ob das gekippt wurde, weil es vielleicht rechtlich zu heiß wurde, ist nicht bekannt. Dies ermöglicht nun jedenfalls, den Fanclub, je nach Verbrauch und Tarif, auch ohne die Burgenland Energie in Kombination mit günstigeren Anbietern wirtschaftlich verwenden zu können, wobei der Break-Even-Point, wie im Absatz mit dem Tarifvergleich beschrieben, immer beachtet werden muss.

Gemeinschaft, aber von oben bitte

Obwohl es sich formal um eine Energiegemeinschaft handelt, fehlt der gemeinschaftliche Gedanke hier vollständig. Der FCBE wird zwar von einem Verein betrieben, die für Mitglieder unbekannten Pachtkonditionen werden aber von einem Akteur vorgegeben, der zugleich größter Erzeuger und Nutznießer des Modells ist. Der überwiegende Teil der Erzeugungsseite wird somit direkt vom FCBE und indirekt von der Burgenland Energie kontrolliert. Tatsächlich haben sich die auf der Website des FCBE angeführten Produktionsanlagen seit dem Jahr 2024 schon mehrfach geändert. Die Mitglieder haben zudem keinen Einfluss auf die Preisgestaltung oder die Strategie der Gemeinschaft. Das entspricht faktisch keiner Gemeinschaft im eigentlichen Sinne, sondern einem zentral gesteuerten top-down Bezugsmodell mit übergestülptem Fanclub-Label. Man sollte auch im Hinterkopf behalten, dass die Burgenland Energie ein knapp mehrheitlich landeseigenes Unternehmen ist.

Gerade im Kontext der Energiewende, in der Energiegemeinschaften explizit als demokratisierendes Gegengewicht zu großen Energieversorgern gedacht sind, wirkt dieses Modell wie eine Umdeutung des ursprünglichen Gedankens – weg von Bürgerbeteiligung, hin zu kontrollierter Teilhabe. Der FCBE ist weniger ein Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit und günstiger Strompreise, sondern vielmehr ein Beispiel dafür, wie sich bestehende Machtverhältnisse unter neuen Begriffen fortschreiben lassen. Konzerne handeln nicht aus Gemeinsinn, sondern aus Geschäftsinteresse. Dass sich beides manchmal überschneidet, macht das Ergebnis nicht selbstlos. Gewinnorientiertes Handeln eines Konzerns ist per se auch nichts Verwerfliches, wenn man es jedoch dem Kunden in Form eines Fanclubs verkaufen will, muss man mit Kritik rechnen.

Vereinfachter Exkurs in die Energiewirtschaft

Grundsätzlich handeln große Stromproduzenten sowie Energiehändler und Lieferanten an der Strombörse – dazu gehören auch Firmen, die Strom über Kontrakte an der Börse einkaufen und dem Endkunden weiterverkaufen. Nun gibt es an der Strombörse, wie an jeder andere Börse auch, je nach Angebot und Nachfrage unterschiedliche Preise. An kalten und trüben Wintertagen ist der Preis beispielsweise sehr hoch, da viel Strom aus Gaskraftwerken im Mix enthalten ist und nach dem Merit-Order-System immer der teuerste gerade noch benötigte Produzent preisgebend ist. An einem windigen Frühlingstag mit viel Sonnenschein kann es allerdings an der Strombörse auch sehr niedrige Preise oder im Extremfall sogar negative Preise geben. Das bedeutet, die Stromproduzenten müssten jemandem etwas bezahlen, damit er den Strom abnimmt. Erneuerbare können in solchen Situationen (sofern technisch und regulatorisch möglich) gedrosselt werden, anstatt für die Abnahme des Stroms zu bezahlen. Zu negativen Strompreisen an der Börse tragen neben den Erneuerbaren auch andere Faktoren bei (z.B. Must-Run-Kraftwerke, Kraftwerke für die Trägheit des Systems, etc.).

Modellierung

An der Strombörse wird die zugrundeliegende Netzinfrastruktur vereinfacht beachtet. Es werden ganze Gebotszonen (meist Länder) als eine „Kupferplatte“ modelliert, auf der Strom nach Belieben von einem Ort zum anderen geschoben werden kann. Lediglich die Grenzen der Gebotszonen beachten die Physik, also die Leitungskapazitäten. Der Börsenhandel passiert „day-ahead“, das heißt, die Energie für heute wurde gestern gehandelt. Energiekonzerne erstellen jeden Tag einen Fahrplan für ihre Kraftwerke, basierend auf einem „Economic Dispatch“, also der wirtschaftlichsten Lösung für das jeweilige Unternehmen (auch genannt „Einsatzoptimierung“). Diese Fahrpläne und Prognosen für Erneuerbare werden dann am Vortag an den unabhängigen System Operator (in Österreich die APG) übermittelt. Erst dort wird überprüft, ob die Fahrpläne aller Kraftwerke gemeinsam mit den prognostizierten Erzeugungsleistungen der Erneuerbaren und den Lastprognosen der Kunden physikalisch überhaupt über das Leitungsnetz transportiert werden können. Ist das nicht der Fall, werden sogenannte Redispatch-Maßnahmen durchgeführt, deren Kosten dann über die Netzgebühren systemisch an die Endkunden umgelegt werden.

An sich sind Energiegemeinschaften sinnvolle Konstrukte, von denen eigentlich jeder Teilnehmer profitieren kann. Solange Mitglieder der Gemeinschaft Strom in das öffentliche Netz einspeisen, beziehen ihn andere Mitglieder, die selbst zu diesem Zeitpunkt oder ganz generell nicht produzieren, zum Strompreis der Gemeinschaft. Das erfolgt alles bilanziell, nicht wirklich physikalisch. Dieser „gemeinschaftliche Strompreis“ wird von der Gemeinschaft selbst festgelegt und ist natürlich so gewählt, dass Produzenten etwas mehr als die normale Einspeisevergütung bekommen und jene, die Strom beziehen, etwas weniger zahlen müssen als beim durchschnittlichen Stromanbieter. Wenn zusätzlich noch alle Mitglieder am selben Orts-Trafo hängen (man spricht von einer lokalen EEG), erspart man sich dadurch sogar noch ein wenig bei den Netzgebühren. Mitgliedsbeiträge sind für Energiegemeinschaften nicht Pflicht, viele Energiegemeinschaften kommen gänzlich ohne Mitgliedsbeiträge aus. Hier ist eine Win-Win-Situation erkennbar, meistens kennen sich auch noch alle Mitglieder kleiner Energiegemeinschaften persönlich – man sieht also wer profitiert und kann kommunizieren. Weiterhin notwendig bleibt für alle Mitglieder einer Energiegemeinschaft ein Stromtarif bei einem herkömmlichen Stromlieferanten, über diesen wird der sogenannte Reststrom, also der Teil, den die Gemeinschaft nicht liefert, bezogen – dieser ist in der Regel frei wählbar und komplett unabhängig von der Energiegemeinschaft.

Persönliche Meinung: Kein Fan werden, sondern Kunde bleiben

Die Burgenland Energie fungiert hier indirekt im übertragenen Sinne gleichzeitig als Schiedsrichter, Trainer und Stadionbesitzer. Der Fanclub als Zaungast darf brav dabei zusehen und gegebenenfalls applaudieren, am Spiel selbst kann er nichts ändern. Es ist zwar am Papier eine Energiegemeinschaft, welche formal den gesetzlichen Rahmen erfüllen mag, tatsächlich jedoch bestehende Marktstrukturen reproduziert. Anstatt Bürgerinnen und Bürger zu aktiven Gestaltern zu machen, werden sie in vorgefertigte Modelle integriert, deren Spielregeln unveränderlich sind. Der angeblich günstige Fixpreis, der über Umwege eigentlich dem Konzern nützt, wird lediglich gut verpackt und professionell vermarktet.

Wer tatsächlich günstige Strompreise haben will, der wechselt regelmäßig seinen Anbieter. Oft gibt es Neukundenrabatte oder ganz generell günstigere Tarife auch ohne einmalige Rabatte. Ein sehr übersichtliches Tool zum Vergleich von Stromtarifen ist der bereits erwähnte Tarifkalkulator der E-Control. Auch die Arbeit bei solchen Anbieterwechseln hält sich mittlerweile in Grenzen, da jeweils der Stromanbieter, der den Neukunden gewinnt, den gesamten Prozess für diesen orchestriert. Wichtig dabei ist allerdings, weiterhin auf seriöse Anbieter zu setzen und vielleicht nicht die absolut günstigste Option zu wählen.

Kurz zusammengefasst: Der FCBE zahlt sich wirtschaftlich bei einigen Tarifen ab mittleren bis hohen Stromverbräuchen aus. Gegenüber Aktionspreisen bei bestimmten Tarifen ist man in der aktuellen Marktsituation mit dem Fanclub sogar teurer. Bei teuren Tarifen wirkt der FCBE erst ab ziemlich hohen Verbräuchen und kommt auch dann den Aktionspreisen anderer Anbieter nicht nahe.

Wenn Kundinnen und Kunden irgendwann kaum noch nachvollziehen können, ob und in welchem Ausmaß sie tatsächlich sparen, drängt sich ein Gedanke auf, den Upton Sinclair einst in einem anderen Kontext formulierte:

„It is difficult to get a man to understand something, when his salary depends on his not understanding it.“

Upton Sinclair
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© Sebastian Seidl; Abgebildet ist eine 110kV-Stromleitung für Bahnstrom in der Nähe von Innsbruck und nicht eine Stromleitung des öffentlichen Stromnetzes.